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Aufruf zur Solidarität! Aufruf zur international-sozialen Bewegung!

Wir wollen Freiheit und Frieden für alle und wir brauchen keine uns
teilenden Staaten, Nationen und Religionen, denn da wir in diesem
perfiden Spiel des globalen Kapitalismus alle Opfer sein werden,
müssen wir gemeinsam kämpfen für Emanzipation und Gerechtigkeit.
Wir sind viele, wir sind die meisten und wir brauchen
keine Vertreter_innen, keine Führer_innen, keine Chef_innen,
denn wir können selbst denken und unser Handeln bestimmen.

Wir verneinen die Möglichkeit eines menschlicheren Kapitalismus,
glauben nicht an gerechte Parteienherrschaft oder
funktionierende Reformen des Bestehenden,
denn das Problem sehen wir in der Idee der repräsentativen Herrschaft,
nicht in einer fehlerhaften Umsetzung derselben.

Hiermit erklärt die Anarchopazifistische Bewegung ihre Solidarität
mit allen aktuell sich emanzipatorisch und antiautoritär Empörten,
Aufständischen und Demonstrant_innen in aller Welt und wir denken,
eine international-soziale Bewegung ist nicht nur zwingend notwendig,
sie scheint zur Stunde auch möglich.
Wir müssen zusammen stehen und dürfen uns nicht entzweien lassen,
wir müssen Fragen erlauben, uns vor zu schnellen Antworten hüten
und jede Avantgarde ablehnen. Mögen unsere Ziele auch teils
verschieden sein, so wollen wir mitwirken an Ideenfindung
und Zielsetzung, wollen wir andere davon überzeugen,
dass nur die angesprochene Welt ohne Herrschaft und Eigentum
eine Welt des wirklichen Friedens und der Gerechtigkeit sein kann.
Wenn es nicht zu der Bewegung, nicht zu der Welt kommt,
welche wir uns vorstellen, dann waren unsere Argumente
nicht gut genug, oder die Menschen wollten einfach etwas anderes.
Als Anarchist_innen können wir aufklären und
zu überzeugen versuchen, aber uns letztlich nicht gegen den
erklärten Willen der Mehrheit stellen.

Lasst uns diskutieren, aufklären, beratschlagen, Utopien planen
und deren Umsetzung beginnen.
Wir wollen zusammen stehen und solidarisch ein Gemeinsam schaffen
- gegen das kapitalistische Einsam.
Jede Freiheit braucht Solidarität und so streben wir nicht allein
danach frei zu sein, sondern nach freier Gemeinschaft und Verbindung.
Wir wollen uns zusammenschließen, damit aus Ähnlichdenkenden
Gleichgesinnte werden können.
Wir wollen uns diskursiv miteinander auseinandersetzen
und herausfinden, was uns trennt und was uns verbindet.
In diesem Zusammenhang möchten wir
eine neue Reisefreiheit proklamieren:

Eine neu gedachte Reisefreiheit als Solidaritätsbewegung in Gedanken
und Taten. Eine revolutionäre und verbindende Reisefreiheit von
Menschen und Ideen. Reisen als Bewegung überall auf der Welt,
in die Welt hinein, unabhängig von Individualurlaub
oder Tourismusindustrie.
Als Weg und Mittel zu Gemeinschaft, Frieden und Gerechtigkeit,
als internationale Bewegung, welche eine Fahne schwenkt
für die Befreiung aller Menschen, für Emanzipation, Gerechtigkeit,
Liebe, Selbstbestimmung, Frieden und Freiheit.

Diese Fahne müssen wir, immer und überall, vor uns her tragen.
Die Inhalte dieser Fahne werden verwirklicht in Innehalten,
Nachdenken, in Verweigerung von Konsum und Kommerz,
im Selbstmachen, in Ungehorsam, Desertierung, Nächstenliebe
und in gemeinsamem Denken und Lösungen suchen,
sowie im Auflösen von Bankkonten und Versicherungspolicen,
in Arbeitsniederlegung, direkter Aktion, Generalstreik und dem
Wahrnehmen vom Wert einer Arbeit unabhängig vom Lohn,
gefolgt vom Aufkündigen des Beschäftigungsverhältnisses,
dann in der Bildung von Kooperationen und Kommunen und
letztlich im gemeinsamen Verwirklichen von dezentralen
Strukturen in einer freien Welt ohne Herrschaft und Geld,
in welcher Ökologie als Schrumpfen und damit
ernstgemeinte Alternative zum Wachstum begriffen wird.

Jetzt liegt es an uns allen Solidarität zu zeigen, laut NEIN
zu sagen zu diesem System und einzutreten für eine andere Welt.
Eine solche Solidarität ist Grundlage jeder Menschlichkeit
und schließlich notwendige Voraussetzung dafür,
uns selbst zu befreien, denn „nur dann bin ich wahrhaft frei,
wenn alle Menschen, die mich umgeben, Männer und Frauen,
ebenso frei sind wie ich.“1

Lasst uns frei sein als Sandkorn im Getriebe statt als Rädchen
in Betriebe, und mit riesigen Lettern weltweit SOLIDARITÄT
schreiben – entgegen aller Grenzen und Schranken kennenlernen,
leben, geben und Freiheit genießen!
Wir wollen Theorie und Praxis, wollen Scheitern als Chance
und jeden ernst gemeinten Versuch als Schritt nach vorne
begreifen und erheben unsere Stimmen
- ungehorsam in Athen, kritisch Fragen stellend in Tripolis und Sirte,
revolutionär in Teheran, in jede Kamera lachend in London
und Birmingham, einschreitend in Damaskus und Quamischli,
besetzend in Madrid, Barcelona und Bilbao,
atheistisch in Jerusalem, Gaza und Ramallah,
demonstrierend in Kairo, befreiend auf Lampedusa,
blockierend in New York und anklagend aufstehend in einfach
jedem Staat der Welt: emanzipatorisch und gemeinschaftlich,
laut und fröhlich Freiräume schaffend, in leer stehenden Häusern
und Gebäuden und in bisher sinnentleerten Parlamenten,
Börsen, Banken und Konsumtempeln.

Die anarchopazifistische Bewegung sagt nein
zu Vereinzelung, Verzweiflung und Apathie!
Denn während die Staaten und ihre Organe lediglich
die Idee des Eigentums der Wenigen verteidigen,
können wir gemeinsam die Freiheit aller erstreiten:
Utopie wird nur geboren, wenn sie gedacht wird
und sie kann nur existieren, wenn sie gelebt wird!

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1 Michail Bakunin
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Berlin, den 14. Oktober 2011
Anarchopazifist_in A.

Aufruf zum Nicht-Wählen

    Wenn die Frage lautet: Wen oder was können wir wählen?
    Dann lautet unsere Antwort: Wir gehen nicht wählen!
    Hätten wir eine Wahl, dann würden wir auch wählen gehen,
    doch was wir tun dürfen ist nicht Wählen, ist keine Alternative,
    dass ist höchstens Stühle verrücken.

    Wir glauben nicht daran, dass es Regierungen oder Parteien sind,
    welche fehlerhaft wären. Wir glauben nicht daran, dass wir bessere, schlauere oder von den richtigen Zielen inspirierte Politiker_innen brauchen.
    Wir meinen, es liegt nicht an den fehlerhaften Organen, sondern am fehlerhaften System.
    Wir halten den „langen Marsch durch die Institutionen“ für unmöglich,
    denn mensch verändert nicht die Macht, aber Macht verändert die Menschen.

    Daher meinen wir, dass Wahlen nichts als Illusionen sind.
    Illusionen darüber, dass mensch das Schicksal durch Stimmabgabe
    selbst bestimmen könnte und dass über parlamentarische Wahlen
    tatsächlich irgendwelche Änderungen machbar seien.
    Dies ist jedoch sicherlich nicht möglich in einem System,
    dessen Verfassung ja genau dazu geschaffen wurde,
    um all das zu schützen, was unbedingt an erster Stelle zu verändern wäre:
    Nämlich EIGENTUM, HIERARCHIE und MACHT.

    Sind wir also keine Demokrat_innen, weil wir dazu aufrufen,
    keine parlamentarischen Stellvertreter_innen zu wählen?
    Nein, im Gegenteil.
    Wir möchten unsere eigenen Stellvertreter_innen sein und Verantwortung übernehmen, anstatt diese alle paar Jahre durch ein Kreuz auf dem Wahlschein abzugeben.

    Demokratie bedeutet Volksherrschaft, entsprechend würde wohl
    in einer wirklichen Demokratie das Volk über sich selbst herrschen.
    Jeder Mensch also über jeden Menschen und umgekehrt,
    was ohne Staat schließlich genau dasselbe bedeuten würde,
    wie wenn überhaupt niemand herrschte.

    Wir meinen, wir sind im besten Sinne Demokrat_innen, denn eine wirkliche Demokratie kann nur anarchisch sein!
    Gerade weil wir unsere Stimme nicht in einer Kabine abgeben,
    weil wir keine Stellvertreter_innen wählen, sondern unsere Stimme lieber behalten, um sie selbst nutzen zu können – zu Beteiligung, zu Ein- und Widerspruch, zum Ruf nach Freiheit, Emanzipation und Solidarität,
    hier und weltweit, denn in diesem Kampf wird jede Stimme benötigt.

    Denn es ist keinesfalls ein Nichtstun, seine Stimme zu behalten,
    ganz im Gegenteil.
    Beteiligung bedeutet sich selbst einzubringen in den gesellschaftlichen Diskurs. Nicht-Wählen gehen fordert auf zu Denken, Eigenständigkeit und Tun – und zu Tun gibt es genug.

    Lasst uns unsere Stimmen nutzen und Selbstverwaltung leben!
    Lasst uns Kommunen, Assoziationen, Nachbarschaftshilfen, Bürger-
    initiativen und Räte gründen! Lasst uns echte Gemeinschaft erfahren durch gemeinsames Lachen und Weinen, Kämpfen und Feiern – und vor allen Dingen durch das Stellen von Fragen. Lasst uns „Nein“ sagen zu den Antworten der Parteien, welche noch nicht einmal unsere Fragen kennen!

    Doch immer wieder wurde – und wird – uns beigebracht, dass Nicht-Wählen automatisch eine Stimme für die extreme Linke oder die extreme Rechte bedeuten würde.

    Lassen wir uns nicht blenden und verängstigen, denn die extreme Linke sind wir selbst, wir sind die Opposition und wir wählen uns!
    Und die extreme Rechte?
    Soll von uns bekämpft werden durch Wahlbeteiligung?
    Nun, wir erleben ja, wie viel den Parteien unsere Stimme gegen Rechts im Alltag wert ist – wenn wir auf die Straße gehen und unsere Stimme lautstark erheben für Frieden, Freiheit und gegen nationale Dummdreistigkeit – ja – dann können wir immer wieder erleben, dass genau die, welche unsere Stimme am Wahlsonntag haben wollen, unsere Stimmen ablehnen und gegen UNS vorzugehen pflegen!

    Wir stimmen gegen jede Form nationaler Bestrebung, immer und überall – genau deshalb behalten wir unsere Stimme und geben diese nicht her für den Parlamentarismus, welcher selbst untrennbar zu Kapital, Staat und Nation gehört und genauso wenig stimmen wir für die Idee, dass aus Diktatur und Bürokratie irgendwann Freiheit werden könnte.

    Unsere Stimmen legitimieren nur uns selbst und rufen laut:
    NEIN zu Herrschaft!

    Das kleinere Übel ist immer noch ein Übel und jede „Regierung ist die Konsequenz aus dem Geist der Herrschaft und der Gewalt, mit dem einige Menschen sich andere unterworfen haben.“1

    Wir sagen jedoch keinesfalls nur NEIN, wir sagen vielmehr JA.
    Wir sagen JA zu Emanzipation, JA zu Selbstverwaltung und
    JA zu Eigenverantwortung.

    Und heute?
    Über wen oder was wird uns glauben gemacht bei der Wahl,
    diesen Sonntag in Berlin, entscheiden zu können?

    „Berlin verstehen“, „Berlin gewinnt“, „Aufräumen für Berlin“, „Wir alle sind Berlin“.

    In diesen Wahlsprüchen zeigt sich nichts, außer der völligen Inhaltslosigkeit, welche uns alle vereinnahmen und einlullen soll. Uns, die Berliner_innen, in den Augen der Politiker_innen offensichtlich eine homogene Masse – und dumm dazu.
    Denken die Parteimenschen wirklich, wir glauben an eine Lösung der vorhandenen Probleme durch genau diejenigen, welche uns die Schwierigkeiten in den vorangegangenen Legislaturperioden erst eingebrockt haben und mit Gewalt am bestehenden System festhalten?

    Da wir jedoch weder dumm sind, noch alle in einen Topf geworfen werden können, wissen wir gar nicht, wen die Parteien mit „Berlin“ eigentlich anzusprechen glauben. Uns alle jedenfalls nicht, denn wir sind nun mal verschieden!
    Die einzigen die frei sind von Facettenreichtum und eigenständigen Eigenschaften sind eben jene Parteien, welche immerfort nichts sagende und ideenlose Plattitüden zu verbreiten wissen.
    Unsere Meinungen können nicht gesammelt vertreten werden, wir können – und MÜSSEN – für uns selbst sprechen, ALLE – denn „jede Beteiligung an Parlamentarismus bedeutet Bejahung des Staates und seiner Autorität“2.

    Boykottieren wir daher nicht nur diese Wahl, sondern jede solche WAHL! IMMER!
    Lassen wir uns unsere Stimme nicht abnehmen, ermächtigen wir uns selbst, verändern wir die Welt und warten nicht länger darauf, dass irgendeine, das System schlecht verhüllende Maske die notwendigen, revolutionären Umstellungen ermöglichen würde.

    Stimmen wir also nicht für Andere, sondern für uns, machen wir das Maul auf und fordern, was für ALLE Zeiten und ÜBERALL, für JEDEN Menschen gelten soll:

    Freiheit, Liebe, Gleichheit, Gerechtigkeit und selbst bestimmtes Leben!
    Nur Herrschaftslosigkeit ist wahre Demokratie!
    Nur Herrschaftslosigkeit bedeutet Frieden!
    Emanzipieren und beteiligen wir uns – endlich und endgültig!
    Lasst uns miteinander reden, uns kennen lernen und beenden die Vereinsamung, Entfremdung und Vereinnahmung!
    Lasst uns freie Gemeinschaft leben!

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    1 Errico Malatesta
    2 Erich Mühsam
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    Berlin, den 16.September.2011
    Anarchopazifist_in S.
    Anarchopazifist_in A.